Alice & Melvin. Early Hipstamatics

Photographs by Michael Maria Müller

Ich hielt mich schon immer gerne versteckt. Auf dem Grundstück unserer Nachbarn, der, wo im Mittelalter die Burg stand, befand sich ein Schuppen, in dem die Holzscheite zum Befeuern des Küchenherds lagerten; nicht weiter. Einige vordere, ordentlich gestapelte Reihen verhinderten, dass der Großteil des dahinter befindlichen, schnell eingeworfenen Holzes, die Tür blockierten,  die, wie der ganze Schuppen, aus alten Brettern und Schwarten grob gezimmert wurde. Neugier war, den ionischen Naturphilosophen zufolge, wohl der Antrieb hinter diese Ordnung schauen zu wollen; Anaximander hielt die Seele für luftartig; und wahrscheinlich war es der Geruch des warmen Holzes an einem Sommertag, der mich in dieses Universum eintreten ließ.

Ich kletterte über die vorne gestapelten Holzabschnitte, kroch in den chaotischen hinteren Teil, von dem aus ich begann, einzelne Scheite nach vorne zu werfen, wobei sich langsam eine Kuhle bildete. Durch die Spalten der Bretterwand flimmerte Sonnenlicht nach innen, ich blickte hinein; schloss ich die Augen, sah ich Farben, Muster und Schlieren, die sich durch leichtes Bewegen des Kopfes und lockeres oder festeres Anspannen der Gesichtsmuskulatur beeinflussen ließen. Sehen habe, stärker als andere Sinne, die Tendenz, in die Ferne zu schweifen, schrieb Augustinus. Es gehe über den Körper und die unmittelbare Umgebung des jeweiligen Menschen hinaus, könne genauso ein Vorausschauen und Zurückblicken sein und damit die Gegenwart transzendieren. Zeit zerfloss, und oft lag ich noch in meinem Versteck, als meine Freunde es längst aufgegeben hatten nach mir zu suchen.

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Mandasi
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